Interview de Sébastien Daucé par BR Klassik

 Ensemble Correspondances “Le Concert Royal de la Nuit” 

Am 23. Februar 1653 fand im Hôtel du Petit-Bourbon in Paris in Anwesenheit, teilweise auch unter Beteiligung des französischen Hochadels ein gesellschaftlich-kulturelles Großereignis statt: Die Uraufführung des monumentalen “Ballet Royal de la Nuit”, des “Königlichen Balletts der Nacht”.

In vier “Veilles”, also “Wachen” unterteilt, schildert dieses erste erhaltene Großballett der Ballettgeschichte die Herrschaft der Nacht. Dämonen, Werwölfe und Hexer treiben da ihr Unwesen, mit von der Partie die Göttin Luna höchstselbst, Zwerge, Riesen, die vier Elemente, Personifizierungen des Schlafs, des Alters, der Traurigkeit und so weiter und so weiter, barockes Theatrum mundi par excellence. Dann macht der Aufgang der Sonne allen Ängsten und aller Irrationalität der Nacht ein Ende. Und sie, die Sonne, tanzte, in einem herrlichen, flammend-goldenen Kostüm, ein Jüngling von gerade einmal fünfzehn Jahren. Naja, nicht irgendein Jüngling. Sein Name: Ludwig von Bourbon, der vierzehnte dieses Namens in der Folge der Könige von Frankreich und Navarra, ab diesem Tag aber besser bekannt als: “Le Roi du Soleil”, Der “Sonnenkönig”.

Das “grand spectacle Frankreichs” 

Konzipiert und in Auftrag gegeben hatte das grand spectacle Frankreichs genialer Machtpolitiker und Strippenzieher jener Tage, Kardinal Jules Mazarin, Pate und Erzieher des

jungen Königs. Es wurde, genau wie von Mazarin geplant, der symbolische Auftakt zu einer der glänzendsten Herrscher-Karrieren im Abendland. Warum aber erklingt diese Inkunabel französischer Geschichte und Musikgeschichte erst jetzt, 362 Jahre nach ihrer Uraufführung, erstmals wieder? Nun, es gab da ein Problem: Zwar sind das Libretto und die Vokal-Stücke des “Ballet Royal de la Nuit” ziemlich vollständig überliefert, von den 80 Instrumentalstücken aber, deren Komponist übrigens nicht bekannt ist, haben wir nur die erste Violinstimme. Das ist nicht viel.

Vier fehlende Stimmen ergänzt 

Aber vielleicht möchte man wenn dann solche Probleme haben. Sébastien Daucé, charismatischer Gründer und Leiter des Ensembles Correspondances, machte sich an die Herkules-Aufgabe, erfand die mutmaßlich vier fehlenden Stimmen neu, tüftelte an sinnvoll-sinnlichen Instrumentierungen, ergänzte aus stilistisch passenden Werken die nicht rekonstruierbaren Teile. Et voilà, die Mühe hat sich gelohnt: Zweieinhalb Stunden prallster Musik in 97 Nummern, eine schöner als die andere,in einer reichen Farbpalette von rosa-pastell bis feuervergoldet. Gamben betreiben erlesene Konversation, Zinken machen auf Sehnsucht, Oboen schäkern um die Wette, drei verschiedene Cembali zirpen in je eigenen Timbres, dazu der ganze köstliche Ausdrucks-Schnickschnack: große Trommel, Windmaschine, Vogelpfeifen. Solches Theater können nur die Franzosen. Und die Franzosen vom Ensemble Correspondances können es besonders gut, vokal wie instrumental, verschwebend zart hier, glutvoll stolz da, mal ausgelassen komödiantisch, mal tränenverhangen. Immer aber voller Lust und technisch auf der Höhe. Hat wohl ein einziger Takt so geklungen, damals, im Februar 1653? Sicher nicht. Egal, ein königliches, nein, ein wahrhaft sonnenkönigliches Vergnügen.

Andreas Grabner, le 9 octobre 2015

 

 

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